Klima-Religion vs. Christentum: Der Aufstieg einer neuen Glaubensrichtung

 

In einer Welt, in der das Christentum zunehmend an Bedeutung verliert, macht sich eine neue Glaubensrichtung breit: die Klima-Religion. Diese Bewegung zeigt viele Merkmale einer religiösen Gemeinschaft, wie Askese, Sühne und Verbote. Während die Kirchen um ihre Relevanz ringen, gewinnt die Klimabewegung an Fahrt, gefördert durch eine wachsende Öko-Schuld-Industrie.

Bereits 2019, als Fridays for Future global Aufmerksamkeit erregte, zog der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, Parallelen zwischen den Demonstrationen und biblischen Szenen. Er betonte die Notwendigkeit echter Propheten in der Gesellschaft, während er Greta Thunberg, die Ikone der Bewegung, in ein nahezu messianisches Licht rückte. Doch nicht alle stimmten dieser Sakralisierung zu. Evangelische Stimmen wie Heinrich Bedford-Strohm warnten davor, Greta zu einem religiösen Symbol zu erheben.

Der Trend, die Theologie mit ökologischen Themen zu verknüpfen, hält an. Beide großen Kirchen integrieren Klimaschutz in ihre Botschaften, was auf eine zunehmende Entfremdung vom traditionellen christlichen Glauben hindeutet. Der Historiker Volker Reinhardt sieht in dieser Entwicklung eine Verschiebung der religiösen Werte hin zur Naturverehrung, eine Art moderne Interpretation des Sündenfalls, wobei die Natur von jeglicher Sündhaftigkeit freigesprochen wird.

Reinhardt beobachtet in der Klimabewegung eine Wiederbelebung christlicher Motive wie Schuld, Reue und Wiedergutmachung, was er als eine neue Form des Ablasshandels und eine blühende Öko-Schuld-Industrie bezeichnet. Gleichzeitig werden andere Stimmen laut, die den religiösen Charakter der Klimabewegung in Frage stellen. Der Theologe und Kulturbeauftragte der EKD, Johann Hinrich Claussen, betrachtet den Begriff der Klima-Religion als polemisch und sieht in der Bewegung keine religiösen, sondern vorwiegend säkulare Ziele.

Die Politisierung der Kirche ist nicht neu und erstreckt sich auf verschiedene Bewegungen wie die Friedens- und Umweltbewegung. Claussen betont die Notwendigkeit politischen Engagements für Christen und sieht Klimaschutz als ein wesentliches Zukunftsthema. Dennoch bleibt die Frage offen, ob die Vermischung von Politik und Glauben die Kirche und ihre Botschaften schwächt. Fanatismus und Intoleranz, wie sie in einigen extremen Ausprägungen der Klimabewegung und identitätspolitischen Gruppierungen zu beobachten sind, könnten die Kritik an dieser Vermengung stärken.

Insgesamt entfaltet sich ein komplexes Bild: Während die Kirchen um Relevanz kämpfen, etabliert sich die Klimabewegung als eine Art Ersatz-Religion, die sowohl christliche Motive aufgreift als auch säkulare Elemente in sich vereint. Dieser Wandel wirft grundlegende Fragen über die Zukunft des Glaubens und des Engagements in unserer modernen Welt auf.

 

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