Planwirtschaft reloaded: Der Wohnungsmarkt auf DDR-Kurs

 

Die Wohnungsknappheit entwickelt sich zur sozialen Zeitbombe. Während Politik und Aktivisten lautstark nach noch mehr Regulierung rufen, erleben Mieter und Investoren längst die Realität: Wartelisten statt Wohnraum, Bürokratie statt Baukräne, Schwarzmärkte statt fairer Preise.

Was sich derzeit auf dem deutschen Wohnungsmarkt abspielt, erinnert fatal an Zustände, die viele längst überwunden glaubten. Der Vergleich mit der DDR ist kein polemischer Reflex – er drängt sich auf.

Wenn Angebot und Nachfrage nicht mehr wirken dürfen

Ein funktionierender Markt kennt klare Regeln: Steigt die Nachfrage, steigen die Preise. Das wirkt kurzfristig dämpfend auf die Nachfrage und schafft mittelfristig Anreize für mehr Angebot. Höhere Mieten bedeuten: Neubau lohnt sich. Investitionen rechnen sich. Kapital fließt in Beton statt ins Ausland.

Doch genau diese Mechanik wird systematisch außer Kraft gesetzt.

Mietpreisbremsen, Deckel, immer neue Auflagen und Regulierungen verhindern, dass sich Preise als Signal entfalten können. Das Resultat: Eigentümer investieren weniger, Projektentwickler stoppen Bauvorhaben, Kapital sucht sich attraktivere Standorte. Der Markt wird nicht stabilisiert – er wird stranguliert.

Mehr Menschen, weniger Wohnungen

Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Die Bevölkerungszahl ist gestiegen – vor allem durch hohe Zuwanderung. Mehr Einwohner bedeuten zwangsläufig mehr Nachfrage nach Wohnraum.

Doch das Angebot hält nicht Schritt. Warum? Weil sich Neubau unter den aktuellen politischen Rahmenbedingungen oft schlicht nicht mehr rechnet. Hohe Baukosten, energetische Vorgaben, langwierige Genehmigungsverfahren und gedeckelte Mieten bilden eine toxische Mischung für Investoren.

Statt dass Wohnfläche knapper wird, steigt paradoxerweise die durchschnittliche Wohnfläche pro Person weiter. Ältere Mieter verharren in großen, günstigen Altverträgen. Ein Umzug würde teurer werden – kleinere Wohnungen sind rar und hochpreisig. Der Markt erstarrt.

Rationierung statt Wettbewerb

Wo Preise nicht mehr frei wirken dürfen, entstehen Ersatzmechanismen. Vermieter wählen ihre Mieter aus – nach Bonität, Lebenslauf, manchmal nach Bauchgefühl. Für Wohnungssuchende bedeutet das: hohe Suchkosten, dutzende Bewerbungen, Frustration.

Parallel blühen Grauzonen: Abstandszahlungen für Küchen, „Möblierungszuschläge“, befristete Verträge. Wer flexibel ist, zahlt drauf. Junge Berufstätige und mobile Fachkräfte gehören zu den Verlierern dieses Systems.

Die Politik reagiert – mit noch mehr Regulierung. Selbst möblierte oder befristete Vermietungen geraten zunehmend ins Visier. Die Spirale dreht sich weiter: Je stärker der Eingriff, desto kleiner das Angebot.

Blick in die Vergangenheit: Lektionen aus der DDR

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wohin eine solche Politik führen kann. In der DDR waren Mieten staatlich reguliert und extrem niedrig. Die Folge: Kaum Anreize für Instandhaltung oder Neubau. Altbauten verfielen, Neubauwohnungen wurden zugeteilt – oft nach jahrelanger Wartezeit.

Erst nach der Wiedervereinigung brachte die Kombination aus Privatisierung, Investitionsfreiheit und steuerlichen Anreizen eine Trendwende. Sanierungen boomten, neuer Wohnraum entstand, Kapital floss in großem Stil in den Markt.

Die Lehre daraus ist eindeutig: Ohne Rendite keine Investition. Ohne Investition kein Angebot. Ohne Angebot keine Entspannung.

Technologieoffen bauen statt ideologisch blockieren

Der Wohnungsmarkt braucht keine immer neuen Regulierungsfantasien, sondern verlässliche Rahmenbedingungen. Planungsbeschleunigung, weniger Auflagen, technologieoffene Bauvorschriften und steuerliche Anreize wären marktwirtschaftliche Hebel mit Wirkung.

Stattdessen dominieren politische Konzepte, die an planwirtschaftliche Experimente erinnern. Der Staat tritt immer stärker als Preisrichter auf – doch er baut selbst kaum Wohnungen. Das Ergebnis ist ein System, das Knappheit verwaltet, statt sie zu beseitigen.

Wer zahlt den Preis?

Die aktuelle Entwicklung verschärft die gesellschaftliche Spaltung. Eigentümer mit alten Beständen profitieren, während Neueinsteiger kaum Chancen haben. Junge Familien, Fachkräfte, Gründer – sie kämpfen um jedes Quadratmeterangebot.

Ein dynamischer Wohnungsmarkt ist ein Standortfaktor. Wenn Fachkräfte keine Wohnung finden, wandern sie ab oder kommen gar nicht erst. Das schwächt Wachstum, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Fazit: Mehr Markt wagen

Die Parallelen zur DDR sind keine historische Übertreibung, sondern ein Warnsignal. Dauerhafte Preisdeckel und dirigistische Eingriffe schaffen keine Wohnungen – sie verhindern sie.

Wer bezahlbaren Wohnraum will, muss bauen. Wer bauen will, braucht Rendite. Wer Rendite verhindert, produziert Mangel.

Der Wohnungsmarkt braucht weniger politische Symbolik und mehr wirtschaftliche Vernunft. Sonst wird aus der aktuellen Krise tatsächlich eine „DDR 2.0“ – nicht als Geschichte, sondern als Gegenwart.

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